Sammler-Jahrgang
Ein authentischer Pauillac 1972, der vor allem als Jahrgangs‑ und Erinnerungswein gesucht ist, weniger für seine heutige Fülle und Gourmandise.
Rothschild-Signatur
Das Gut wurde 1970 von Baron Philippe de Rothschild erworben; der 1972er markiert die Anfänge der Wiedergeburt von Clerc Milon.
Markt-Rarität
Flaschen sind selten geworden, stammen meist aus Privatkellern oder Spezialauktionen und werden von Liebhabern alter Jahrgänge geschätzt.
Pauillac-Kraft mit sinnlicher Finesse

Tertiärer Pauillac als Zeitzeugnis
1972

Ein seltenes Zeugnis des Pauillac-Jahrgangs 1972 – ein gesuchter Sammler-Millésime aus einem großen Terroir im Wandel unter der Ägide Rothschild, eher Erinnerungswein als Genusswein.
Château Clerc Milon 1972
5ème Cru Classé, Pauillac
Herkunft :
France - Bordeaux - Pauillac AC
Rebsorten :
Vinifikation :
Zu Beginn der 1970er Jahre verfügte Château Clerc Milon noch nicht über die modernen Anlagen, die seine spätere Renaissance prägen sollten. **1972** erfolgte die Vinifikation in den damals üblichen traditionellen Gärbehältern, ohne präzise Temperaturregelung. Der kühle, wenig reife Jahrgang machte vermutlich eine **moderate Chaptalisierung** erforderlich, eine damals übliche Praxis, um den niedrigen natürlichen Alkoholgrad auszugleichen. Die Extraktionen mussten zurückhaltend bleiben, um grüne Tannine aus unvollständig gereiftem Lesegut nicht zu betonen. Der biologische Säureabbau und der Ausbau folgten einem klassischen Bordelaiser Schema, ohne ausgeprägte Parzellen-Selektion oder besondere Cuvée für diesen Jahrgang. Insgesamt zielte die Kellerarbeit darauf ab, **die begrenzte vorhandene Substanz zu bewahren** und einen schlichten, geradlinigen Stil zu erhalten, der der schwierigen Ausgangslage von 1972 treu bleibt.
Ausbau :
Dem üblichen Vorgehen des Châteaus entsprechend wird der Grand Vin von Clerc Milon traditionell in Eichenbarriques ausgebaut, mit einem Anteil an neuem Holz, der an den Charakter des Jahrgangs angepasst wird. Für **1972** ist angesichts der geringen Konzentration und begrenzten Struktur der Trauben davon auszugehen, dass der Ausbau im Fass **verkürzt** wurde im Vergleich zu reicheren Jahrgängen (etwa 14 statt rund 18 Monate), bei reduziertem Anteil neuen Holzes, um einen ohnehin leichten Wein nicht zu überdecken. Anschließend wurde der Wein nach den damaligen Standards geschönt und filtriert und relativ zügig abgefüllt, vermutlich um 1974, mit Blick auf ein eher moderates Lagerpotenzial.
Serviertemperatur :
17-18°C
Trinkreife :
1978 - 1985
Lagerfähigkeit :
Am besten genießen vor 1990
Farbe :
Ziegelrot granatfarben, leichte bis mittlere Intensität, deutlich orange Reflexe, hohe Transparenz am Rand – klarer Hinweis auf einen weit fortgeschrittenen Reifezustand.
Nase :
Tertiäres Bouquet, dominiert von feuchtem Unterholz, gefallenem Laub, kaltem Tabak, Leder, einem Hauch Zeder sowie oxidativen und erdigen Noten; nur sehr dezente Restfrucht (getrocknete Pflaume, verblühtes Cassis).
Gaumen :
Leichte Struktur, magerer Auftakt, hervorstechende Säure, verdünnte Mitte, geprägt von tertiären Noten (Erde, nasses Holz) und einer vegetalen Bitterkeit; abgeschmolzene, aber trockene Tannine, kurze, saure, austrocknende Finale – historisch interessant, weniger für den reinen Trinkgenuss.
Speiseempfehlungen :
Eher für eine thematische Verkostung alter Jahrgänge reservieren, ohne Anspruch auf ein ehrgeiziges Speisen‑Wein‑Pairing.